Wie sind Sie denn zu den Schafen gekommen?"


Diese Frage wird sehr häufig gestellt. Hier die Geschichte vom Anfang:
Eins vorneweg:    Wir sind nicht zu den Schafen gekommen. Die Schafe sind zu uns gekommen!
Unsere Freundin D. rief an: "Ich will morgen in den Urlaub fliegen und habe keine Zeit. Deshalb musst du, Hans Werner, mal zu meiner Freundin B. fahren. Kümmere dich mal um sie! Ihr Mann will sich von ihr scheiden lassen. Sie ist mit den Nerven am Ende."

Also fuhr ich zu B. Ihr Mann, ein Arzt, verlangte ihren Auszug. Ihre Hühner, Enten, Gänse, Kaninchen und Ziegen hatte sie schon schlachten lassen, aber da waren noch vier trächtige Schafe. "Von dem Geld, das ich von meinem Mann bekomme, werde ich einen Bauernhof kaufen und Schafzucht betreiben", erklärte mir B.
Aber zunächst mussten die Schafe ja mal untergebracht werden.  Ein Schafhalter in Kundert erklärte sich bereit, die Tiere vorübergehend mitzubetreuen.  Also wurden die Schafe nach einer Autofahrt über vereiste Wege auf die Weide gebracht. So waren sie versorgt. B. musste aufgemuntert werden. Ich fragte sie, ob sie mal mit mir zur Uni nach Siegen fahren wolle, wo ich Lehraufträge in Biologie und Pädagogik hatte. Sie war begeistert von der Vorlesung unseres Freundes, Prof. Dr. P.

 

B. begann in den nächsten Wochen mit dem Studium und gab ihren Plan mit der Schafhaltung auf. Mir erteilte sie den Auftrag,
die Schafe zu verkaufen.  Wie verkauft man Schafe? An wen? Ich hatte keine Ahnung! - So überlegte ich, ob ich sie nicht selbst kaufen sollte.
"Wenn du Schafe haben willst, dann kaufe sie dir. Ich habe damit nichts zu tun", meinte meine Frau.  Ich kaufte also die vier Tiere zu einem sehr günstigen Preis. Dazu bekam ich ein Schäferhemd, 100 Ballen Heu, zwei große Glastüren, ein Stück Elektroknotengitterzaun, ein Weidezaungerät und eine Kastrierzange mit den entsprechenden Gummiringen.  Etliche Meter Knotenzaungitter und Weidezaunpfähle haben Richard, einer unserer Söhne, und ich teilweise bei leichtem Hochwasser abgebaut. Ich war jetzt zwar Besitzer von Schafen, aber von welchen? Woran konnte ich meine Schafe erkennen? Für mich sahen sie alle gleich aus. Ich wusste von Schafen nur: haben Wolle, schreien "määähh", fressen Gras, sind Wiederkäuer. Also so gut wie keine Ahnung! - Heute kann ich darüber nur lachen.

Meine Schafe waren: Lotte, ein reinrassiges Texelschaf, Inge, ein Milchschaf und die helle und die dunkle Ruth, zwei Schwarzkopfmischlinge.
Natürlich einfach herauszufinden!

Nun brauchten die Schafe auch Weide. Wir besaßen nur unser Grundstück, auf dem wir das Haus gebaut hatten.
Der Ortsbügermeister von Kundert verkaufte uns ein Wiesengelände mit Bachlauf, einige Landwirte erlaubten uns, die Schafe auf ihren Wiesen das überständige Gras vom Vorjahr abweiden zu lassen. Und dann lammten unsere Schafe. Ja, es waren unsere Schafe! Meine Frau hatte sich schon vorher mit um die Tiere gekümmert. Das Lammen ging problemlos. Die Lämmer waren einfach schon da, wenn wir zu den Schafen kamen. Von den vier Schafen bekamen wir sechs Lämmer: zwei Mutterlämmer, vier Bocklämmer.
Unser Holzschuppen wurde ausgeräumt und durch Gitter abgeteilt. B. zeigte uns, wie Klauen geschnitten werden. Sie hatte es sich im Stillen gewünscht, dass wir die Schafe kaufen würden.  Sie war froh, dass es so gekommen war - und wir sind es heute auch!

Mein Freund meinte im Nachhinein: „Seitdem du die Schafe hattest, war dir die Uni nicht mehr wichtig." - Da hatte er recht.